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Respekt, aber keine Ehrfurcht

2026-10-01

 

Schwerer hätte die neue Saison für die Pittsburgh Penguins kaum beginnen können. Gleich zum Auftakt wartete mit den Philadelphia Flyers das Team, das von vielen Experten als Topfavorit auf den Titel gehandelt wird. Während die Mannschaft von GM Chris an der Spitze der Prognosen zu finden war, wurden die Penguins in den meisten Saisonanalysen lediglich im Mittelfeld angesiedelt.

Nach 60 Minuten stand dennoch ein nicht unverdienter 3:1-Auswärtssieg Pittsburghs auf der Anzeigetafel. Wer anschließend jedoch euphorische Stimmen über einen sensationellen Erfolg des Außenseiters erwartet hatte, wurde enttäuscht. Im Lager der Penguins wollte niemand das Ergebnis als Überraschung verstanden wissen.

„Wir wissen, welch hervorragendes Team Chris in Philadelphia zusammengestellt hat“, erklärte GM Stephan nach der Partie. „Die Flyers gehören vollkommen zu Recht zu den absoluten Favoriten auf den Titel. Aber Respekt vor einem Gegner bedeutet nicht, dass wir dorthin fahren und eine Niederlage bereits einkalkulieren. Unser Anspruch muss es sein, in Philadelphia anzutreten und dieses Spiel zu gewinnen. Mit keinem anderen Ziel sind wir hierhergekommen.“

Dabei erwischten zunächst die Gastgeber den besseren Start. Pittsburgh leistete sich im ersten Drittel früh sechs Strafminuten, darunter eine doppelte kleine Strafe gegen Vincent Desharnais. Die Flyers konnten daraus allerdings kein Kapital schlagen. Erst bei fünf gegen fünf brachte Jake DeBrusk Philadelphia in der 18. Minute in Führung.

Die Antwort der Penguins ließ gerade einmal 54 Sekunden auf sich warten. Trevor Zegras verwertete eine Vorarbeit von Evander Kane und Cam York zum 1:1 und sorgte damit noch vor der ersten Pause für den Ausgleich.

„Das war ein wichtiger Moment“, sagte Zegras. „In Philadelphia kann ein spätes Gegentor im ersten Drittel schnell dazu führen, dass das Momentum vollständig auf die andere Seite kippt. Wir sind ruhig geblieben und haben unmittelbar geantwortet. Genau das müssen gute Mannschaften können.“

Im zweiten Drittel übernahm Pittsburgh zunehmend die Kontrolle. In der 26. Minute brachte Jason Robertson die Penguins nach Vorarbeit von Kapitän Bo Horvat und Clayton Keller erstmals in Führung. Evander Kane erhöhte im Schlussabschnitt auf 3:1. Erneut waren Zegras und York an der Entstehung des Treffers beteiligt.

Zegras beendete den Abend mit einem Tor und einer Vorlage und wurde zum besten Spieler der Partie gewählt. Verteidiger Cam York bereitete zwei Treffer vor und erhielt die Auszeichnung als dritter Star des Spiels.

Den zweiten Stern verdiente sich Mackenzie Blackwood. Der Goalie der Penguins parierte 31 der 32 Schüsse auf sein Tor. Besonders gefordert war er in Unterzahl: Philadelphia erhielt acht Powerplays, konnte jedoch kein einziges davon nutzen.

„Acht Unterzahlsituationen gegen eine Mannschaft mit dieser offensiven Qualität sind eindeutig zu viele“, räumte Blackwood ein. „Aber die Jungs vor mir haben unglaublich gearbeitet, Schussbahnen zugestellt und uns immer wieder aus schwierigen Situationen befreit. Gegen dieses Powerplay achtmal zu bestehen, sagt viel über den Charakter dieser Mannschaft aus.“

Auch GM Stephan sah in der Disziplin den größten Kritikpunkt des Abends: „Wir können nicht erwarten, dauerhaft acht Unterzahlsituationen gegen Spieler dieser Klasse zu überstehen. Das müssen wir abstellen. Gleichzeitig spricht es für unsere Mannschaft, dass sie Wege gefunden hat, diese Situationen zu überstehen und anschließend selbst die entscheidenden Treffer zu erzielen.“

Kapitän Bo Horvat, der Robertsons Führungstor vorbereitete, wollte die Bedeutung des Erfolges ebenfalls nicht kleinreden. Die vor der Saison veröffentlichten Prognosen spielen innerhalb der Mannschaft nach seinen Worten jedoch keine Rolle.

„Wer uns im Mittelfeld einordnen möchte, darf das gerne tun“, sagte Horvat. „Aber das entspricht weder unserem Selbstbild noch unseren Zielen. Wir wollen nicht bloß etwas besser abschneiden, als andere es uns zutrauen. Wir wollen eine Mannschaft sein, die um den Titel spielt. Und wenn man diesen Anspruch hat, muss man auch in Hallen wie dieser gewinnen können.“

Assistant Captain Jack Hughes schlug in dieselbe Kerbe: „Wenn wir nach Philadelphia fahren und anschließend selbst überrascht darüber sind, dass wir gewonnen haben, stimmt etwas mit unserer Einstellung nicht. Wir respektieren die Flyers und wissen, wie stark sie sind. Aber wir machen uns deshalb nicht kleiner, als wir sind.“

Dass Pittsburgh am Ende nicht nur auf der Anzeigetafel vorne lag, sondern mit 35:32 auch mehr Torschüsse abgab, unterstrich diesen Anspruch. Die Penguins hatten den Sieg keineswegs ausschließlich ihrem Torhüter oder einem glücklichen Spielverlauf zu verdanken. Sie überstanden schwierige Phasen, antworteten schnell auf den Rückstand und erzielten in jedem Drittel einen Treffer.

„Das war kein Pflichtsieg in dem Sinne, dass Philadelphia ein Gegner wäre, den man einfach schlagen muss“, stellte GM Stephan abschließend klar. „Dafür sind die Flyers viel zu gut. Aber es war ein Sieg, den wir von uns selbst verlangen. Wir sind nicht hier, um den Favoriten zu bewundern. Wir sind hier, um ihn zu schlagen.“

Für Philadelphia dürfte die Auftaktniederlage wenig an der Rolle als Titelanwärter ändern. Für Pittsburgh könnte der Erfolg dagegen schon am ersten Spieltag eine Botschaft an die Liga gewesen sein: Die Penguins mögen in den Prognosen zum Mittelfeld zählen. Sie selbst haben für diese Saison jedoch andere Pläne.